Wenn der Glaube krank macht

Fast jeder kennt den Placebo-Effekt: Ein Placebo (lateinisch: ich werde gefallen) ist ein sogenanntes Scheinmedikament, das trotz fehlendem Wirkstoff eine Besserung oder sogar Heilung hervorrufen kann. Dies geschieht allein dadurch, dass der Patient an dessen Wirkung glaubt. Dagegen erzeugt das ebenfalls wirkstofffreie Nocebo (lateinisch: ich werde schaden) beim Patienten eine unangenehme Nebenwirkung allein dadurch, dass er vor der Einnahme des Medikaments darüber in Kenntnis gesetzt wurde.

Leider ist dieser Effekt im Gegensatz zu seinem positiven Gegenstück selbst in medizinischen Fachkreisen relativ unbekannt. So reichen oft die Angst vor einer unangenehmen Begleiterscheinung und das intensive Studieren des Beipackzettels mit allen eventuellen Nebenwirkungen aus, um beim Anwender diese auch tatsächlich auftreten zu lassen. Es wird sogar angenommen, dass die Hälfte aller Arzneimittelnebenwirkungen auf einer Noceboantwort beruht als eine Art selbsterfüllende Prophezeiung.

Sowohl Placebo- wie auch Nocebo-Effekt können jedoch nicht nur bei der Verabreichung von Medikamenten auftreten, sondern auch bei jeder anderen Form der medizinischen Behandlung, wie etwa Physiotherapie, beim Arztgespräch oder einer simulierten Operation. Diese psychologischen Effekte sind bei Männern und Frauen gleichermaßen bekannt, ja sogar bei Tieren. Studien haben auch gezeigt, dass teure Medikamente ebenso wie Arzneimittel mit schlechtem Geschmack besser wirken als billige und solche mit neutralem Geschmack. Die Macht der Gedanken und eine gewisse Erwartungshaltung haben also großen Einfluss auf deren Wirksamkeit. Mitunter reicht schon die Aussage, wie: „Diese Tablette kann auf den Magen schlagen“ aus, um beim Patienten tatsächlich Bauchschmerzen hervorzurufen.

Im Beipackzettel eines Medikaments müssen aus rechtlichen Gründen alle Nebenwirkungen aufgeführt sein, auch wenn sie sehr selten (weniger als ein Behandelter von 10.000 Personen zeigt diese Begleiterscheinung) auftreten. Natürlich sollte der Patient sich den Beipackzettel seines Arzneimittels ansehen und die entsprechende Dosierung nachlesen.

Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Hinweise, wann das Arzneimittel nicht angewendet werden soll, sind wichtig. Dennoch ist von einem intensiven Studieren aller eventuellen Nebenwirkungen abzuraten, da es zu großen Verunsicherungen und Ängsten führen kann. Ihre Apotheke vor Ort gibt Ihnen jederzeit Auskunft über die Eigenschaften eines bestimmten Arzneimittels sowie über dessen mögliche Nebenwirkungen.